Schwanger – und ein sportliches Leben ist vorbei?

Die große Entscheidung

Kind ja oder nein – der Fluch der 30iger? Hat man die 20iger hinter sich gelassen, und man fühlt sich langsam bereit den nächsten Schritt zu wagen – Verantwortung für einen anderen kleinen Menschen zu übernehmen, so kann man zwei willige Gruppen beobachten. Für die Einen ist es die freudigste und langersehntes Nachricht seit Vollendung der Pubertät und Eintritt ins Erwachsenenalter, für die Anderen kommt die Nachricht unverhofft und doch irgendwie sehr schnell – „SCHWANGER“. 

Ich selbst gehöre wohl zur Gruppe Nummero zwei. Unzählige Blogs und Ratgeber suggerieren, dass ambivalente Gefühle während der Schwangerschaft völlig normal sind. Self-fulfilling-prophecy-like ging es auch mir nicht anders. Ja, ich möchte ein kleinen Menschen zur Welt bringen, dieses Wunder in mir heranwachsen spüren und dieses Mutterglück, von dem alle sprechen, selbst erleben. Nein, ich will nicht mit 40-50 zur Gruppe Karriere-Wifey und Ego-Sportlerin gehören, zurück blicken und mir vorwerfen – ach hätte ich doch nur. Die triste Vorstellung alt und schrumpelig zu sein und keine Familie zu haben, fanden sowohl ich als auch mein Partner abschrecken.

…und plötzlich geht’s ganz schnell…

…man sieht zwei rote Streifen auf dem Pinkeltest: man ist wirklich schwanger. Man kann es kaum glauben und kapiert eigentlich auch nicht, was da gerade passiert. Ich glaube auch, diese Gefühl des Nichtrealisierens hält noch bis zur Geburt an. Was bedeutet schwanger sein denn für mein Leben, meine Hobbies, die Rollenverteilung in der Partnerschaft, die doch bisher emanzipiert geprägt war?

Alles doof so schwanger?

Zum Thema Schwangerschaft hat jeder eine Meinung mit der auch nicht lange vorgehalten wird. Von „Oh Gott dein Leben ist vorbei – das wäre für mich der Albtraum“ bis hin zu „Wow – das schönste Geschenk das du bekommen kannst“ war auch in meinem Freundeskreis die volle Bandbreite vertreten.  Jeder möchte seine Ansichten kund tun und jeder weiß am Besten was man so schwanger nun darf und was nicht. Darf ich denn noch Biken? Geht schwanger klettern noch? Was ist mit Skitouren? Immerhin liest man überall man soll nicht mehr über 1700 hm gehen – wegen schlechter Luftversorgung (Die armen Frauen die in den Alpen oder Anden leben?!). Biken und klettern wären sowieso viel zu gefährlich.

Was macht man mit diesen Infos jetzt? Schwarz weiß gemalt – plötzlich alles was man seit jeher gemacht hat und einem großen Spaß macht sein lassen und zur Hausfrau werden? Ich hab mich dagegen entschieden. Wir waren weiterhin skitouren, klettern, biken und anfangs auch beachen und – oh Wunder – es ging.

Ändert sich alles?

Natürlich muss man sich von großen, sportlichen Zielen verabschieden und dass plötzlich die Luft knapper wird ist auch wirklich wahr. Aber wenn man die neuen Bedingungen akzeptiert (was nicht so leicht war wie es klingt) und sich die konsequente Alternative vor Augen hält – das hausfräuliche Leben einer Hobbylosen – kann man doch weiterhin ne Menge Spass haben. Goldene Hebammen-Regel für mich: Hör auf deinen Körper. Setzt plötzlich Luftknappheit ein, fühlt man sich schlapp oder man merkt ein unangenehmes Ziehen und hart werden im Bauch –  dann macht man eben ne Pause oder dreht um – ohne Kompromisse. So haben wir ne Skitour kurz vor dem Ziel abgebrochen, für mich kam nur noch Top-Rope-klettern in Frage und (fast) keine gebauten Trails bzw. Sprünge mehr beim Biken – lieber flowige Schwarzwald- Wanderwege. Jeder kann sich so seine persönlichen Rahmen schaffen mit dem man sich wohlfühlt und den man für sich verantworten kann. Das ein oder andere Hindernis in Form von paternalistischen Freunden oder besorgten Eltern mussten auch wir überwinden. „Stephi, ich geh nicht mehr mit dir biken – ich finde das zu gefährlich und unverantwortlich“ – Puh. Was macht man damit, wenn einem sowas von einem männlichen Freund ohne Schwangerschafts-Erfahrung an den Kopf geworfen wird? Eine Diskussion beginnen à lá: „Schön, wenn du das so siehst, aber ich weiß nach vielen Jahren MTB Erfahrung selbst was ich sicher fahren kann und was nicht?“ Oder ignorieren? Ich habe es unter „Anmaßend“ abgespeichert etwas madig zu reden, was ich doch sehr genießen konnte und hab es schlicht ignoriert getreu dem Motto: „Happy Mama, happy Baby“. 

Ganz konkret – was hab ich also noch gemacht? Wir waren die ersten drei bis vier Monate problemlos noch auf unterschiedlichen Skitouren unterwegs – im Schnitt so 700hm. Das ging gut – natürlich nicht im selben schnellen Tempo als sonst. Bouldern und klettern in der Halle waren auch bis zum 6ten Monat machbar; aber ehrlich gesagt hab ich daran bald die Lust verloren: man wird immer schwerer und Routenschrubben in der Halle ist, wenn man ehrlich ist, doch sehr leistungsorientiert. Draußen klettern war weiterhin toll, denn dort kommt es weniger auf ne Grad-orientierte Leistung an, sondern die blühende Natur, grandioser Ausblick und der Geruch von Felsdreck an den Händen steigern weiterhin die Laune. Biken war ich bis Ende 8ter Monat, immer langsamer, sowohl hoch als runter aber Spass hatte ich trotzdem – Waldluft und das Rattern der Mountainbike-Kette machen glücklich. 

Und dann ist wirklich alles doof.

Irgendwann war es allerdings bei mir dann doch soweit – der Bauch wird zu groß und man fühlt sich nicht mehr ganz so wohl auf dem Bike oder beim Klettern – bei mir ca. ab Woche 32-34. Das war für mich sicher die schwierigste Schwangerschafts-Phase – und für meinen fürsorglichen Partner zweifelsohne auch. Plötzlich sind da Rücken – und Bänderschmerzen und die gewohnte Allzweck-Medizin „Sport und rausschwitzen“ ist nicht mehr jederzeit verfügbar. Neid kommt auf: „Wieso kann mein Partner alles noch machen und ich nicht?“. Das letzte was man dann will ist die zickige Freundin sein, die ein Problem mit dem sportelnden Partner hat. Aber ganz frei davon ist man auch trotz aller großer Vorsätze nicht. Eine Schwangerschaft hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun – die zumindest bisher im Leben und der modernen Partnerschaft fast schon selbstverständlich schien. Was war die Lösung? Reden und schwimmen. Auch wenn ich anfangs dieses öde Schwimmen verteufelt habe, am Ende hat es wirklich sogar Spass gemacht. Konzentriert man sich etwas auf die Technik aka „wie bekommt man den schönsten Kraulstil ohne dass überall Wasser wie verrückt spritzt und man wie eine planschende Seerobbe ausschaut“ dann entwickelt sich ein gesunder Ehrgeiz der einen gerne ins Schwimmbad wackeln lässt. Positiver Nebeneffekt: der Laune tuts gut und dem Rücken sowieso. 

Und alles wieder super toll…

…denn je näher die Geburt rückt, desto aufgeregter und voller Freud ist man (ich zumindest). Der kleine Mensch in mir hat gegen Ende so stark seine Füsschen in den Bauch gedrückt, dass man schon fast das Gefühl hatte, er ist schon hier. Und dann freut man sich einfach nur auf dieses Wunder, welches da in einem entsteht – und schwupps ist er auch schon da. Und so viel vorweg – es ist wundervoll. Aber dazu mehr im nächsten Eintrag. 

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